May 19, 2025
20:00
Konzert 2: La nuit à Paris … nächtliche Töne des IRCAM in Kiel
KulturForum SaalTickets
Eintritt Frei

mit Carolina Santiago, Corentin Marillier, Viktoriia Vitrenko

Programm:

Engin Daglik:  une clarté piqua les ténèbres for piano, thunder plates, electronics

Simon Kanzler: NiNe StEpS To HELL for percussions and electronics

Anna Arkushyna:... en ciel enflammée

Paris à Kiel: Dunkle Nacht, desorientierte Trunkenheit und doch bleibt sie - die Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. In diesem Konzert präsentiert Frequenz_ Musik der  teilnehmenden Komponist:innen des Cursus-Programms für Komposition und Computermusik am renommierten IRCAM-Instituts.

Engin Daglik:  une clarté piqua les ténèbres for piano, thunder plates, electronics

Performer: Carolina Santiago

Der Titel von Engin Dagliks Stück une clarté piqua les ténèbres ist inspiriert von Aloysius Bertrands „Gaspard de la nuit“ und evoziert die Dunkelheit der Nacht. In der Komposition verbindet sich die Transformation von Klang und Raum mit Musik und Bewegung. Das Stück für Klavier, Donnerblech und sechs mit Kolophonium behandelte Angelschnüre erzeugt einen Klang, der einem Qanun ähnelt, wenn die Pianistin an den Schnüren zieht.

Die Interaktion der Pianistin Carolina Santiago mit dem Instrument ist Teil einer Choreografie. Die Schnüre dienen als unsichtbare Verbindung zwischen ihr, dem Klavier und dem Raum. Zu Beginn des Stücks entfernt sich die Pianistin vom Klavier und erzeugt Klang durch das Ziehen an den Schnüren. Im weiteren Verlauf nähert sie sich dem Instrument und zieht sich wieder zurück. Diese Bewegung schafft eine intime Verbindung zwischen Musikerin und Raum, die sich kontinuierlich verändert.

Durch die Interaktion von Musik, Licht und Klang transformiert der Komponist den Raum. Wie Le Corbusier das Licht in der Kapelle von Ronchamp orchestrierte, gestaltet Daglik den Raum, der sich in Klang, Licht und Bewegung verändert und so eine neue Dimension der Wahrnehmung schafft.

Simon Kanzler: NiNe StEpS To HELL for percussions and electronics

Corentin Marillier (Perkussion)

In NiNe StEpS To HELL kombiniert Simon Kanzler eine Vielzahl von Klängen, die der Schlagzeuger Corentin Marillier nicht nur auf seinem Instrument, sondern auch einer Reihe von ungewöhnlichen perkussiven Objekten wie Metallrohren, Flaschen und Konservendosen spielt. Aus einem dialektischen Spiel zwischen verschiedenen Musikstilen entsteht Heterogenität – einerseits punkige, groovige Rhythmen auf dem Schlagzeug, andererseits komplexe, algorithmisch erzeugte Klangschleifen, die sich durch die Integration von Zubehörteilen und Objekten kontinuierlich verändern. Die Struktur des Stücks folgt einer Dramaturgie, inspiriert von Ulrike Ottingers Ticket of No Return, und fängt die Wahrnehmung und Desorientierung einer betrunkenen Person musikalisch ein. Über den Klang erfahren die Zuhörer das Gefühl von Schwindel und Zerrissenheit. Und auch die Musikinformatik trägt zur Hörerfahrung bei: Ein Timbre-Erkennungssystem steuert elektronische Prozesse und rhythmische Präzision, ohne Clicktrack, und verwandelt die Perkussionsklänge in elektronische Klänge, die mit ihrem Timbre harmonieren.

Anna Arkushyna:... en ciel enflammée

Viktoriia Vitrenko (Stimme)

... en ciel enflammée komponierte Anna Arkushyna 2023 für den Cursus. Es ist die erste vokale Komposition der Komponistin, die auf einen Text zurückgreift. Bisher hatte sie die Stimme eher im Sinnes eines abstrakten Musikinstruments verwendet. In diesem Stück integriert sie jedoch erstmals textuelle und semantische Elemente eines poetischen Textes. Contra Spem Spero von der ukrainischen Autorin Lessia Ukrainka hat die Komponistin seit ihrer Kindheit inspiriert. Der Titel, der auf Deutsch „Ich hoffe ohne Hoffnung“ bedeutet, bildet das Fundament des Werks, welches von der ukrainischen Sängerin Viktoriia Vitrenko interpretiert wird.

Das elektronische Element des Stücks ist sowohl vor-komponiert als auch interaktiv. Die Stimme löst Klangproben aus, die als „Wolke“ von Samples die Stimme der Sängerin spiegeln. Hinzu kommt das „Geräusch“ des Schreibens, eine symbolische Umsetzung des Textes. Diese zarten Geräusche, wie das Kratzen einer Stiftspitze, wurden im Schweigen der anechoischen Kammer des IRCAM aufgenommen und verleihen dem Werk eine subtile Präsenz des Geschriebenen und Schreibens.